2018

100 Jahr Pfadibetrieb Arth-Goldau

Die Pfadi Arth-Goldau feiert in diesem Jahr 100 Jahre Pfadibetrieb. Wie die Pfadi Arth-Goldau ins Rollen kam, was sich seitdem alles verändert hat und wieso das offizielle Gründungsdatum im Jahr 1921 festgelegt wurde, ist in den Archiven dokumentiert. Zum Jubiläum sind diese Unterlagen wieder hervorgeholt worden. Es folgt nun ein kleiner Rückblick der ersten 100 Jahre Pfadi Arth-Goldau.

Den Anstoss einer Gründung gab im Sommer 1918 der Pfarrer Leuthold. Er wandte sich damals an die Pfadiabteilung in Zug. Diese schickten dann alle zwei Wochen Leiter nach Goldau. Das erste Fähndli in Goldau gehörte anfangs noch zur Abteilung Zug. Der Patrouillenchef (Leitpfadi) Geni Krähenbühl, der später erster Abteilungsleiter wurde, bildete die ersten Pfadis aus Goldau in Pfaditechnik aus. Das Interesse in der Gemeinde war sehr gross und somit konnte 1921 die erste Gründung, die auch in unseren Statuten als offizielles Gründungsjahr angegeben ist, von statten gehen. Wegen Leitermangel in Zug wurde aber der Pfadibetrieb in Goldau immer schwieriger und so stellten sie, trotz grossem Interesse, im Jahre 1924/1925 den Betrieb wieder ein. Einige Goldauer Pfädeler gingen deshalb nach Zug an die Anlässe.
Im Frühjahr 1926 starteten Geni und Max Krähenbühl (Bild) den zweiten Versuch in Goldau regelmässig Pfadianlässe zu gestalten und durchzufuhren.

Weil damals die Pfadi Arth-Goldau die erste Pfadi Abteilung des Kantons Schwyz war, schlossen sie sich im Mai 1927 dem Kantonalverband des Kantons Luzern an und so gehörten wir offiziell auch dem Schweizerischen Pfadfinderbund an. Die Luzerner unterstützten die Abteilung mit Rat und Tat. Im Herbst wurde die Pfadi Arth-Goldau auch von der Schulbehörde offiziell anerkannt. Diese stellten der Pfadi Räumlichkeiten für das Material sowie die Turnhalle, welche sie jederzeit benutzen konnten, zur Verfügung.

Pfadis in den 30er am „chrömle“.

Im Frühjahr 1928 wurde die Pfadikluft angeschafft. Vorher hatte man nur das Halstuch. Die Farbe des Tuches war damals nicht Rot mit weissem Rand, sondern rot-grün. Die Pfadikluft bestand damals nicht nur aus einem Hemd und Halstuch, dazu gehörte auch der Pfadihut, ein Gürtel und die Hose. Einige Pfädeler mussten ihre Pfadikluft von zuhause aus selber verdienen. Die Pfadi Arth-Goldau wurde immer grösser und so teilten sie sich im Herbst 1931 auf zwei Fähnlein auf. Fähndli Habicht und Fähndli Tiger. Im selben Jahr fand auch das erste Sommerlager in Wassen statt.

Im Jahr 1932 hörte der Gründer und erste Abteilungsleiter Geni Krähenbühl dann endgültig auf.

Schon in der 30er Jahren war „Knebeln“ in.
Unsere Delegation am Turnfest 1930.
Musikalische Einweihung des Schulhaus Sonnegg am 30. August 1930.

Die Pfadi gründete und organisierte auch immer wieder Veranstaltungen ausserhalb des Pfadibetriebs, welche zum Teil bis heute bestehen. So wurde im Jahr 1934 durch die Gruppe Rigi der Pfadi Arth-Goldau das erste Jugendskirennen auf der Rigi organisiert.

Im Jahr 1935 waren es bereits 20 aktive Mitglieder und so entstand das dritte Fähndli Krokodil. Wegen einem zusätzlichen Fähndli in Brunnen wurde die Pfadi Arth-Goldau in dieser Zeit auf Pfadi Schwyz unbenannt, aber wegen Leitermangel bald darauf wieder rückgängig gemacht. In dieser Zeit bekamen wir auch unser erstes Pfadiheim. Die Firma Bally besass in Brunnen ein kleines Ferienhaus und überliess es der Pfadi als Pfadiheim.

Wie man sieht, war die Gründung der Pfadi Arth-Goldau kein einfaches Vorhaben, doch dank dem unermüdlichen Einsatz der Brüder Krähenbühl gelang dies trotzdem irgendwie.

So schrieb der damalige Kantonalfeldmeister (Kantonsleiter), Kurt Sidler, an einem Jubiläum am 18. Januar 1936 folgendes:

„Eine Pfadfinderabteilung zu gründen ist in der Regel einfach, sie zu halten kann sehr schwer werden. Das hat auch die Abteilung Schwyz (damit ist die Pfadi Abteilung Arth – Goldau gemeint) erfahren. Ich möchte ihre Geschichte einer knorrigen Bergföhre vergleichen, deren Stamm unzählige Male vom Sturm gepeitscht und nicht gerade gewachsen ist, wie der einer Tanne im Tal. Dem Baum im Tal wird ein Unwetter gefährlich. Die Bergföhre dagegen wird von ihm wohl geschüttelt, nicht aber gefällt. Auch die Pfadfinderabteilung Schwyz hat in den abgelaufenen zehn Jahren ihres Bestandes manchen Sturm erlebt. Mögen diese Sturmzeiten die Abteilung so gefestigt haben, dass sie zäh, wie eine Bergföhre im Erdreich wurzle! Das erste Jahrzehnt ist überstanden, Ich wünsche Glück für’s zweite!“

Im ersten Pfadilager in Wassen UR.

Schon im Jahre 1938 fand das 3. offizielle Bundeslager der Schweiz in Zürich statt und erstmals war auch die Pfadi Arth-Goldau mit von der Partie.

Zur Zeit des 2. Weltkrieges fanden keine Sommerlager statt. Auch der Übungsbetrieb insgesamt verlief sehr unregelmässig, da die Schüler jeweils am Samstag in die Schule mussten und weil das Schulhaus zum Teil vom Militär besetzt wurde.

Trotz der Gründung der Jungwacht im Jahr 1943 zeigte sich gegen Ende des Jahres ein leichter Anstieg der Mitgliederzahlen, was durchaus ein positives Zeichen war. Nach dem Kriegsende durften neu auch jüngere Knaben in der Pfadi mitmachen. Sie bildeten die Wolfsstufe, die ebenfalls am Lager teilnehmen durfte. Dieser Zustand dauerte noch bis in die 50er Jahre an. Ein kurioses Ereignis ereignete sich im Jahr 1953. Die Pfadileiter wussten im Frühling noch nicht wann die anstehenden Sommerferien beginnen und auch enden werden. Nach Nachfrage beim Schulrat wurden sie erst im Mai über die definitiven Daten informiert. Im Jahre 1956 wurde keine Anlässe im Frühsommer durchgeführt, wegen einer allgemeinen Maul und Klauenseuche.

Abreise in das Lager am Bahnhof Goldau.

Trotz eines allgemeinen Aufschwungs der Mitgliederzahlen sah sich Max Krähenbühl im Jahre 1958 gezwungen, die Wolfsstufe auf Grund des Leitermangels aufzulösen. Die Wölfe traten deshalb alle zur Pfadistufe über, sodass sich kein Mitglied zum Austritt gezwungen sah. Zwei Jahre später stand die Abteilung Pfadi Arth Goldau wiederholt kurz vor der Auflösung. Die Wolfsstufe war bereits zwei Jahre zuvor geschlossen worden, und die Abteilung verlor viele wichtige Mitglieder, weil diese auswärtige Schulen oder Internate besuchten und so keine Zeit mehr fanden, am Übungsbetrieb teilzunehmen. Max Krähenbühl wollte zu diesem Zeitpunkt nach 35-jähriger Tätigkeit in dieser Abteilung seinen Rücktritt bekannt geben und spielte deshalb mit dem Gedanken, die Abteilung zu schliessen. Das Wohlergehen der Abteilung in den Vordergrund stellend, blieb er der Pfadi aber weiterhin treu und rettete sie so vor dem Ende. Während diesen kritischen Jahren war Max Krähenbühl der einzige Leiter der Pfadi Arth-Goldau und organisierte so für die Wölfe und die Pfadis das Program.

Die Wölfe in den 60er auf dem Weg nach Bern.

Fünf Jahre nach der Auflösung der Wolfsgruppe starteten engagierte Leiter eine erneute Gründung, dieses Mal aber mit Hilfe der Luzerner Abteilung „Musegg“. Dies führte zu einem bedeutenden Mitgliederzuwachs in der Abteilung. Die damaligen Leiter waren darauf bedacht, nicht die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen, da die Gründung einer neuen Wolfsgruppe nicht gleichzeitig mehr Leiter bedeutete. In den folgenden Jahren konnte die Abteilung Pfadi Arth-Goldau ein stetiges Wachstum verzeichnen. In den 70er Jahren erwarb sich die Abteilung ein Stück Land in Oberarth für den Bau eines eigenen Pfadiheims, und gleichzeitig wurde Geld für einen VW-Bus gespart. Eine weitere Spezialität unserer Pfadi ist die Pfadibahn. In den 70er Jahren wurde eine Feldbahnlokomotive mit einigen Feldbahnwagen angeschafft. Sie fuhr 1979 erstmals um das neue Pfadiheim herum als Projekt „Railway“. Das nächste Pfadibahn Projekt liess dann nicht lange auf sich warten. Im Jahre 1980 im Bundeslager fuhr sie ihre Strecke durch das Unterlager „Eisenbahn“.

Als es noch alleine war. Unser Pfadiheim in en 70er Jahren.

Mit der Gründung der Mädchenpfadi im Jahre 1980 durften neu auch die Mädchen am Programm der Pfadi Arth-Goldau teilnehmen und sich engagieren. Auf Bundesebene erfolgte der Zusammenschluss von Jungen- und Mädchenpfadi erst in den 90er Jahren.

Gruppenfoto vom Stamm Andromeda in den 80er.

Die pfadieigene Mitgliederzeitung „Hitzgi“, welche sich noch heute bei Gross und Klein grosser Beliebtheit erfreut, wurde im Jahr 1984 ins Leben gerufen.

Auch ein grosses Mitwirken unserer Pfadiabteilung war die Unterstützung der Dampfbahn Furka Bergstrecke. Die Leiter und Rover waren im Jahre 1986 an vorderster Front bei der Sanierung der Bergstrecke beteiligt und sanierten am Portal des Tunnels „Senntumstaffel 3“.

Im Jahre 1987 begab sich die ganze Abteilung (ausser den Wölfen) in ihr erstes Auslandlager in einem Pfadizentrum in Dänemark. Ein Jahr später fand dann das erste Kantonallager des Kantons Schwyz im Jura statt.

Stamm Chiquito zeigt eine perfekte Menschenpyramide in den 90er.

Im Jahre 1989 fand das einzige 3-wöchige Sommerlager der Pfadi Arth-Goldau statt, dies aufgrund einer Verschiebung des Schulanfangs und daraus resultierenden 9 Wochen Sommerferien.

In den 90er Jahren war die Abteilung Pfadi Arth-Goldau kulturell sehr aktiv. So traten sie auf bei der Aufführung der Zällerweihnachten in der Kirche Goldau. Ebenfalls wirkte die Pfadi mit im Musical „Kompromiss“, geschrieben von Peter Lüssi und Peter Schorno. In diesem Jahrzehnt war die Pfadi Arth-Goldau auch auf nationaler Ebene sehr aktiv. So organisierten die Leiter ein Konter-Roverschwert und später ein reguläres Roverschwert (gesamtschweizerischer Wettkampf der Leiterinnen und Leiter). Ebenfalls halfen sie mit bei der Organisation des Pfadi Folk Festes (Pfadi Openair) in Altdorf.

Durch den grossen Zuwachs an Mädchen, sah sich die Abteilung im Jahr 1992 gezwungen eine zweite Wölfligruppe nebst Kassiopeia ins Leben zu rufen. Die neue Gruppe erhielt den Namen Pegasus. Zwei Jahre später wurde auch bei den Pfädlerinnen nebst dem Stamm Andromeda aufgrund des Mitgliederzuwachs ein zweiter Mädchenstamm namens Marsupilami gegründet.

Ein Kantonaltag auf dem Wasser mit schwimmenden Seifenkisten.

Im Jahre 1994 fand ein weiteres Bundeslager in Wasen im Emmental statt, und die Pfadibahn war mit einer Gleisstrecke von 2,4km natürlich ein weiteres Mal mit von der Partie.
Zu dieser Zeit verzeichnete das Mitgliederverzeichnis der Abteilung Pfadi Arth-Goldau über 200 aktive Pfädlerinnen und Pfädler. Das bestehende Pfadiheim war diesen Kapazitäten ebenfalls nicht mehr gewachsen und so wurde im Jahr 1995 das Pfadiheim mit einem Anbau vergrössert.
Unsere Abteilung besuchte in den folgenden Jahren noch weitere grosse Auslandlager in verschiedenen Ländern in der Welt und lernte so verschiedene Pfadikulturen kennen.
Anmerkung am Rande: Die einzigen pfadifreien Länder der Welt sind Kuba, Andorra, Laos und Nordkorea.
Die neueste Errungenschaft der Pfadi Arth-Goldau sind die Kleinsten. Die Bibergruppe wurde im Jahre 2006 gegründet und ermöglicht Kindern ab dem Kindergartenalter Spiele und Erlebnisse in der Natur.

Heutige Pfadi Arth-Goldau im Abteilungslager 2017.

Auch nach 100 Jahren Pfadibetrieb bietet die Pfadi Arth-Goldau nach wie vor Woche für Woche eine sinnvolle und abwechslungsreiche Freizeittätigkeit, bei welcher Jung und Junggebliebene Abenteuer und Erinnerungen fürs Leben sammeln.

Falls wir jetzt dein Interesse geweckt haben und du gerne einmal Pfadiluft schnuppern möchtest, darfst du dich gerne bei uns melden und einen Anlass besuchen. Wir freuen uns auf dich.